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Traditionsgaststätte mit „Denkmal der Güntner Industrie-Kultur“

Beim Gasthaus Frietinger ist die Welt noch in Ordnung. In der gemütlichen Luttenwanger Gaststube oder im Saal treffen sich Institutionen wie der Gesangverein, die Theatergruppe, die freiwillige Feuerwehr, der Stammtisch, die Landjugend und natürlich auch Freunde und Familien aus der Umgebung. Der Wirt kocht und serviert bayerische Küche, das Bier kommt von einer kleinen, regionalen Traditionsbrauerei.

Rund 65 Jahre störungsfreier Betrieb

Öffnet man die dicke, aber überraschend leichtgängige Tür mit Kork-Isolierung kommt man in den ersten Kühlraum. Hält man eine Weile inne, hört man nur, wie ein Tropfen Wasser in einen Eimer fällt, aber sonst ist es ganz still. Sofort ins Auge fällt aber die hier verbaute Kältetechnik – ein voll funktionsfähiges „Denkmal der Güntner Industrie-Kultur“. Der dort an der Wand befestigte, etwa 1950 eingebaute stille Kühler ist vollständig im Originalzustand erhalten. Er stellt seit rund 65 Jahren in diesem Raum eine konstante Raumtemperatur von 8-10 °C sicher, ideal zur Kühlung von Getränken. Ein zweiter Kühlraum zur Lagerung von Lebensmitteln wird mit einem weiteren, ebenfalls original erhaltenen Güntner Luftkühler dieser Bauart auf etwa 2-4°C gekühlt.

Kälteleistung beträgt 0,5 kW und 1 kW

Das dickwandige Kupferrohr der Luftkühler hat einen Durchmesser von 15 mm, die ca. 1 mm starken, gestanzten Lamellen aus Alu haben einen Abstand von jeweils 16 mm. Für die Fixierung der Lamellen während der Montage wurden damals noch Abstandshalter verwendet, damit der exakte Lamellenabstand eingehalten wird. In dieser Ausführung sind die Luftkühler heute noch sehr gut erhalten. Der stille Kühler für die Getränke ist 1.400 mm lang, 410 mm hoch und 140 mm tief. Er hat eine Rohrteilung von 70 x 70 mm, zwei Rohrreihen in der Tiefe, sechs Rohrreihen in der Höhe und erreicht mit 10 m² Wärmetauscher-Fläche eine Leistung von ca. 1 kW. Das Kondensat aus den Lamellen tropft in eine schräg aufgehängte Wanne und fließt über den Ablauf in einen Eimer, der von Zeit zu Zeit ausgeleert wird. Der Kühler im Lebensmittel-Kühlraum ist 950 mm lang, 270 mm hoch und 280 mm tief. Er hat eine Leistung von ca. 0,5 kW und ebenfalls eine Rohrteilung von 70 x 70 mm. Lediglich das Kupferrohr hat an einzelnen Stellen leichte Patina angesetzt, ansonsten scheinen diese stillen Kühler „unverwüstlich“ zu sein, da sie keine Ventilatoren oder sonstige Verschleißteile haben. Das kompakte Kälteaggregat von L’unite mit einem Tecumseh TAJ 4492 Kompressor ist im Keller montiert. Es ist schon das zweite Aggregat und stammt etwa aus der Mitte der 80er Jahre.

Gut gekühlte Lebensmittel seit zwei Generationen

Der Wirt Johann Frietinger bestätigte, wie gut die Anlage seit nunmehr zwei Generationen funktioniert. Auch wenn die Technik in dieser Form heute nicht mehr installiert wird, möchte er die Luftkühler nicht tauschen. Besonders gut gefällt Ihm der zugfreie Betrieb mit der natürlichen Luftumwälzung. Nach seiner Erfahrung trocknen frische Lebensmittel dabei nicht so stark aus und bleiben lange frisch. Lediglich das Kälteaggregat müsste demnächst getauscht werden, um die Anlage auf ein neues Kältemittel umzustellen. Nach erfolgter Inspektion kann dem Wirt versichert werden, dass die Verdampfer noch in einem guten, betriebsbereiten Zustand sind. Nach der Umstellung auf ein neues Kältemittel, sollten sie noch weitere 50 Jahre einen zuverlässigen und zugfreien Betrieb gewährleisten.

Münchener Kälte-Maschinen-Spezial-Betrieb Hans Güntner

Die beiden von Hans Güntner produzierten Luftkühler stammen noch aus seiner ersten Werkstatt in München. Damals firmierte das Unternehmen noch unter dem Namen „Münchener Kälte-Maschinen-Spezial-Betrieb Hans Güntner“. In den Jahren nach der Unternehmensgründung installierte Hans Güntner zunächst kleinere bis mittlere Kälteanlagen für Metzger und andere handwerklich Lebensmittel verarbeitende Betriebe. Die Wärmeübertrager wurden in der eigenen Werkstatt hergestellt und später zunehmend an andere Betriebe aus der Kältetechnik vermarktet. Die neuzeitliche Elektro-Kältetechnik von Hans Güntner war damals der neueste Stand der Technik und löste in vielen Betrieben die Kühlung mit Eis aus dem Eiskeller ab.

Stiller Kühler

Ein stiller Kühler kühlt die Raumluft über die Oberfläche seiner Rohrschlangen und der mit ihnen verbundenen Lamellen ab. Die Luftumwälzung erfolgt ausschließlich über Thermik. Dabei fällt die kalte Luft aufgrund ihrer höheren Dichte nach unten, und sorgt damit für eine Luftströmung durch den Wärmeübertrager. Um die Luftströmung nicht zu behindern, ist die Tropfwanne mit reichlich Abstand und schräg angeordnet. Auf diese Weise entsteht im Kühlraum eine Temperaturschichtung und eine natürliche Luftumwälzung. Für besondere Anwendungen kann Güntner auch heute noch Luftkühler für stille Verdampfung liefern. Zum Beispiel im Blumengroßmarkt in der Hansestadt Hamburg sind in den einzelnen Lagerräumen solche Kühler installiert, weil Blumen keine Zugluft vertragen.

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